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STRUKTURVERTRAG
 

Stellungnahme zum geplanten Strukturvertrag amb. Operieren mit den Ersatzkassen und KV-No
Widerspruch gegen die Abrechnung 4-2000

Mittwoch, den 06.06.01 23.00

Warum müssen alle ambulanten Operateure den Strukturvertrag
„Ambulantes Operieren“ vom VdAK ablehnen und ihre Mitarbeit verweigern?

Die Ersatzkassen haben der KV-No, beziehungsweise deren Vorstand einen Strukturvertrag zum
ambulanten Operieren angeboten und so Hoffnungen geweckt, da zumindest formal Anklänge an
den bereits bestehenden Strukturvertrag mit den BKKs und IKKs bestanden.

Dies ist allerdings keineswegs der Fall.

Ist der BKK / IKK-Vertrag budget-unabhängig und mit einem festen Punktwert von 10 Pfennig
bewertet, so verlangt der VdAK-Vertrag eine Reduzierung des Individual-Budgets um die Punkte,
die bei Operationen an Ersatzkassen-Patienten erzielt wurden. Das freiwerdende Geld wird nicht
dem Fachgruppen-Budget der Chirurgen zur Verfügung gestellt, sondern geht verloren.
Stattdessen sollen die Chirurgen, die sich an diesem sog.
Struktur-Vertrag beteiligen, die Operationen zu einem festen Punktwert von 8,7 Pf. erbringen,
allerdings ohne Limit.

Wenn man die letzte Abrechnung von 4-2000 zu Grunde legt, so haben wir mit einer Auszahlungsquote
von 92% de facto einen Punktwert von 9,2 Pf. erreicht.

Solange wir also das Individual-Budget im Rahmen dieses Struktur-Vertrages auffüllen, stehen wir uns
schlechter; nach Erreichen des Individual-Budget können wir dann allerdings Ersatzkassen-Pat.
weiter operieren zum o.g. Punktwert von 8,7 Pf. Bisher haben wir dann entweder gar nicht mehr oder
umsonst operiert.

Dies suggeriert einen Fortschritt, der aber keiner ist.

Denn wenn man mehr operieren darf zu einem Punktwert, der nach allen betriebswirtschaftlichen
Berechnungen nicht kostendeckend ist, so macht man trotzdem Minus.

Der Unterschied zum Nicht-Operieren ist nur der, daß das System der Unterfinanzierung des
ambulanten Operierens stabilisiert wird und andere Kassen – wie auch die BKK und IKK – auf den
Gedanken kommen könnten, ihren Struktur-Vertrag von 10 Pf. auf 8,7 Pf. ebenfalls anzupassen
Das wäre dann die Katastrophe mit Durchsetzung von Preisen, die auf eine Selbstausbeutung auf
Dauer hinauslaufen.

Nicht nur der ANC, sondern alle Organisationen, die sich mit dem ambulanten Operieren beschäftigen,
haben diesen Vertrag deshalb abgelehnt und wollen die Mitarbeit verweigern.

Nicht so der Vorstand der KV-No! Gegen das Votum der Fachvertreter hat der Vorstand
unterschrieben und nach der Verlautbarung gibt es auch nichts mehr zu verhandeln!

Jedem einzelnen ambulanten Operateur wird nun die Teilnahme an diesem Struktur-Vertrag angeboten.

Wir fordern dringend jeden Chirurgen auf, sich nicht an diesem Vertrag zu beteiligen,
sondern wie bisher im Individual-Budget zu bleiben, bis wir bessere Bedingungen geschaffen
haben!

Wie kommen wir aber dahin? Nach langen und langwierigen Diskussionen im Vorstand sind wir zu
folgender Auffassung gekommen:

Solange die Versorgung der Patienten reibungslos funktioniert, wird niemand den Ärzten
entgegenkommen, sondern – wie sich jetzt bei der BEK zeigt – noch frecher Medizin und
Operationen zu Billigstpreisen einfordern. Nur wenn echte und empfindliche Lücken der Versorgung
offenbar werden, wird sich etwas bewegen.

Dies führt logischer Weise dazu, daß der Patient leiden wird, nicht nur an seiner Krankheit,
sondern auch an Defiziten der Gesundheits-Versorgung. Dies ist meist der Punkt, an dem viele
Kollegen nicht mehr mitmachen wollen, da sie hoffen, den Konflikt mit den Kostenträgern und
der Politik ohne Nachteile für den Patienten austragen zu können.

Dies ist leider eine Illusion und muß zuerst in unseren Köpfen überwunden werden.

Der Streik der Lufthansa-Piloten ist für mich in dieser Hinsicht konsequent und vorbildlich und wird
wahrscheinlich auch zum Erfolg führen, mögen die Medien und die Gewerkschaften noch so schimpfen
und diffamieren.

Auch wir Chirurgen müssen uns endlich in dieser unersetzlichen Spezialisten-Position
sehen, auf die die Gesellschaft nicht verzichten kann. Dies ist unser Hebel zur Macht.
Wir müssen ihn endlich einmal in die Hand nehmen.

Ein erster Schritt sollte nun sein, daß wir Leistungen, die definitiv nicht zum Kernbestandteil der
Leistungen der niedergelassenen Chirurgen gehören, nicht mehr erbringen.

Im wesentlich sind hier Leistungen der Orthopädie in der chirurgischen Praxis gemeint,
soweit sie über die Notfallbehandlung von akuten Schmerzen hinausgehen: z.B. Rö LWS,
Gelenkarthrosen, Bestrahlungen, Krankengymnastik, etc.

Zweitens sind hier Leistungen gemeint, die nicht medizinisch notwendig sind:
Entfernung von Atheromen ohne Infektion, von Lipomen, von gutartigen Hautveränderungen,
Naevi, Warzen, Clavi etc. Hier könnten juristische Probleme auftreten, weil ja das BSG jüngst
geurteilt hat, daß die Fachgruppe auch Leistungen unter Preis erbringen muß, wenn sie zu ihrem
Kernbestandteil gehört.

Wir sollten also hier eher flexibel sein und die Termine für solche Eingriffe z.B. ins nächste Quartal
verlegen. Ist der Pat. nicht einverstanden, erfolgt als Angebot die stationäre Einweisung mit dem
Begleitschreiben, das hier (PDF Datei) heruntergeladen werden kann.

Überhaupt sollten alle Kollegen sich angewöhnen, Termine zu vergeben. Wenn das Budget erreicht ist,
erfolgt dann die Behandlung von neuen Patienten im nächsten Quartal.
Andere Fachgruppen – Orthopäden und Radiologen – sind hier längst weiter.
Unsere Aufgabe ist es nicht, das System hier funktionstüchtig zu halten.

Dies ist meine persönliche, sehr pointierte Meinung, wie ich sie auch im Vorstand vertreten habe mit
Zustimmung. Ich hoffe auf eine rege Diskussion im Forum (Mitgliederebene)

Ihr A. Henatsch